Der Phoenixsee im fernen Dortmund

Es ist genau der richtige Tag. Es ist genau die richtige Zeit. Es ist genau der richtige Ort. Es ist 18.30 Uhr am Dienstag und das Gelände um die VHS belebt sich. 6 Unverdrossene des Fotoclubs rotten sich zusammen, um eine Exkursion in die Umgebung zu begehen.
Das Team: Birgitt, die Chefin, mit Tim und Ulrich, Beatrix mit Friedhelm und dem Chronisten. Das Ziel: Der Phoenixsee im fernen Dortmund.
Geplant ist es, mit eigenen PKWs dorthin zu reisen. Da ist nun die Zahl von ausgerechnet 6 Teilnehmern ziemlich blöd. In einem PKW drängen sich 5 Personen auf den Sitzen, während der Fahrer im anderen Fahrzeug ganz alleine hocken muss. Ohne Unterhaltungsmöglichkeit.

Doch die Lösung ist bald gefunden. Wir teilen uns auf!

Und so kommt es, dass genau 3 Personen je Fahrzeug sich auf die Reise gen Dortmund begeben. Um die Gegend bestmöglich kennen zulernen, wird beschlossen: Ein PKW fährt über die A1 und stößt von Süden in Dortmund zum Ziel durch, der zweite PKW verlässt Velbert gen Norden und pirscht sich über die A40 von Westen an das Ziel heran, dessen Fluchtmöglichkeiten also bestmöglich eingegrenzt sind.
Und so erreichen die beiden Einheiten etwa zeitgleich um etwa 20 Uhr das Ziel. Man formiert sich zur Marschordnung und schultert das Gepäck. Jeder ausgerüstet mit einem Rucksack, darin das feinste Fotoequipment, das man sich nur erträumen kann. Außen dran je Rucksack ein Stativ um auch für die stillen Momente gewappnet zu sein. Und auf geht’s, die letzten Meter zum Gewässer zu überwinden.

Blick vom Westufer auf den Phoenixsee mit der Kulturinsel mit Thomas-Birne

Unser Hauptziel stellt die Kulturinsel im Phoenixsee dar, sie ist unser erster Anlaufpunkt. Die Kulturinsel wird geschmückt von einer wie auf einem Präsentierteller stehenden Thomasbirne. Diese Birne wird weder mit Sahne oder Vanillesoße noch als Birne Helene serviert oder gar in Flaschen gezüchtet, um zu Williams Birne zu werden.

Nein, die Thomasbirne ist und bleibt eine Thomasbirne. Man verwendete sie bei der Stahlerzeugung. Sie diente dazu, Kohlenstoff und andere Oxyde aus dem flüssigen Roheisen zu verbrennen.
Dabei wurde von unten Luft durch die stehende Birne geblasen. An der Farbe der Flammen am Austritt der Thomasbirne erkannte der Fachmann, wann der Prozess beendet ist. Dann wurde die stehende Birne gedreht und der fertige Stahl wie Sekt aus einer Flasche gegossen und der folgenden Verarbeitung zugeführt. Diese Thomasbirne hier auf der Kulturinsel war von 1954 bis 1964 im Stahlwerk Phoenix im Einsatz. Sie hat eine Höhe von 7m und wiegt 64t.

Hier ein paar zusätzliche Zahlen und Fakten zum Phoenixsee:

“Länge: 1,2 km, max. Breite: 320 m, mittlere Tiefe: 2,5 m, Rundweg um den See: 3,2 km Der See ist in Ost-West-Richtung 1,2 km lang und in Nord-Süd-Richtung 320 m breit. Er hat seinen Namen von dem ehemals hier stehenden Hoesch-Stahlwerk. Mit seiner Wasserfläche von 24 ha ist er größer als die Hamburger Binnenalster, worauf die Dortmunder sicher sehr stolz sind.”

Dortmund.de

Die Kulturinsel wird als Treffpunkt für das Ende der Aktion ausgewählt, im konkreten Falle das Café Solo auf dem anderen Ufer, dort wo die Schirme stehen. Das Besondere am Café Solo werden wir später noch gewahr werden.

Blick von der Kulturinsel nach Osten, links das Nordufer, rechts das Südufer

Die zwei Teams lösen sich nun auf und jeder Einzelne geht seinen eigenen Vorlieben nach.

Birgitt, Beatrix und Tim gehen am Schilfgürtel des nördlichen Seeufers gen Osten, vielleicht um dort den Mount Kaiserberg zu besteigen. Von dort soll man einen beeindruckenden Blick über den See und die Umgebung haben. Mit seinen 138 m üNN legt er sich mit manchen Riesen des Sauerlandes an. Aber schneesicher ist die Region meines Wissens nicht!

Auf der Nordseite liegen viele Einfamilienhäuser und Privathäuser, wie sie zum Beispiel in der aktuell wieder laufenden Fernsehserie „Phoenixsee“ gezeigt werden. Leider trafen wir weder Produzenten noch Regisseur und müssen uns damit wohl weiterhin mit unserem bisherigen bisschen Leben zufriedengeben. Fernsehstar wird nix!
An der Südseite stehen größere Gebäude, in etwa mit Mehrfamilienhäusern vergleichbar. Hier haben sich so renommierte Firmen wie Trinkaus & Burghardt, die Creditreform und ähnliche Firmen niedergelassen. Auch ein REWE und ein Fitness-Studio sind nicht fern. Damit können sowohl der Geldbeutel als auch der Bauchumfang mal mehr mal weniger abnehmen, ganz nach Gusto jedes Einzelnen. Alles hier am Ort verfügbar!

Nach halber Strecke entlang des Südufers, findet sich ein kleiner Hafen für Segelbötchen. Von dem aus kann man gen Westen blickend die Reste des Sonnenuntergangs am Himmel und auf der Seeoberfläche genießen und, so man will, auch fotografieren. Auf dem Weg dahin ist das Seeufer mit netten Trittsteinen im flachen Wasser geschmückt. Sie bieten sich als sicherer Stand und auch als Vordergrund an.

Die blaue Stunde

Mittlerweile ist die blaue Stunde schon so gut wie vorbei. Ich begebe mich auf den Rückweg und amüsiere mich über eine Entenmutter, deren drei Lümmel noch nicht reif fürs Bett sind. Mama lässt sie noch toben; bald sind sie sicher müde. Leider sind die angrenzenden Wiesen von Kanadagänsen okkupiert und entsprechend dekoriert.

Jeder Tritt ein Treffer, also gut aufpassen! Die Thomasbirne steht als einsamer Wächter vor den erleuchteten Fassaden. Einige Lokale haben schon geschlossen. Auch der Bäcker mit dem Wahlspruch: Hier bin ich Mensch, hier beiße ich rein. Aber vor Morgen wird das nix mehr. Bei „Wurst und Soße“ sind ebenfalls alle Lampen gelöscht.
Über die Kaipromenade, an der Hörder Burg vorbei und über die Hafenpromenade begebe ich mich zum Treffpunkt. Einige der Anderen sind schon eingetroffen.

Das Café Solo besticht durch qualifizierten Service. In dem ansprechenden Restaurant- und Café-Bereich ist es nicht leicht, auf Bedienung zu stoßen. Ulrich befindet: Wichtig ist, es ist hier warm! Wir gehen davon aus, dass für die Stühle keine Mietkosten anfallen. Nach langem Warten und viel Glück bemerkt uns eine qualifizierte Service-Person. Die Frage nach Speisen, selbst kleinsten Vorspeisen oder Gaumen-Amüsements, wird negativ beschieden. Getränke sind nur in überschaubaren Variationen erhältlich. Neben einer Tasse Kaffee (keinen Pott, kein Kännchen – ich wollte schon zwei Tassen bestellen) sind Bier, Wein, Cappuccino und Milchkaffe verfügbar.

Nach getaner Arbeit mit leeren Tassen und Bechern

Nach Gedankenaustausch des heutigen Tages und einigen Späßen brechen wir auf. Es wollen noch um die 70km Strecke und etwa 60min Zeit verarbeitet werden.