InPho – Industriefotografie

Schon ab 18 Uhr tummelten sich viele Gäste in den Räumen der VHS, neugierig auf die Fotos zum Thema Industrie. Und ein wenig Zeit brauchte man schon, waren doch fast 80 Exponate auf drei Fluren gehängt.

Da war denn auch alles vertreten von farbig bis schwarz/weiß, von dokumentarisch bis künstlerisch, von knackscharf bis schönverwischt, von 16 bis 80 Jahre, von konventionell und Großformat bis digital und Tintenstrahl.
Nichts hatten sie ausgelassen, die rund 40 Mitglieder des VHS Fotoclubs – und wie heißt es so schön Neudeutsch: Das ist gut so! Denn letztlich geht´s immer um ein gutes Foto, nicht um die Technik, nicht um Kameras und Systeme.


Ab 20 Uhr war dann das kleinwelttheather “Auf der Suche nach dem legendären Bergmannsglück”, und man kann sagen, dass Wort- und Spielwitz von Martina und Thomas Hoeveler ein erfrischendes Equivalent zu den ausgestellten Bildern darstellte. Beim Klick auf das Bild oben gibt es ein paar Impressionen von diesem Abend, aufgenommen von Sigi Koezle.

Norbert Kaufmanns Kampf mit neuem Gerät scheint ziemlich erfolgreich gewesen zu sein…

Michael Weber vergnügte sich digital in der Zeche Zollverein. Auch hier traf neue Technik auf bewährte Kreativität.


Ein Versuch zur Standortbestimmung

Was zeigt Industriefotografie?
Die zunächst einfach erscheinende Antwort bleibt spätestens dann unausgesprochen, wenn man sich exemplarisch einige Bilder anschaut, die unter dem Begriff “Industriefotografie” präsentiert werden. Stellvertretend seien hier die Gewinner des Peter-Keetman-Preises für zeitgenössische Industriefotografie in der rechten Spalte gezeigt:


…Florian Schwinge, “Topographs 2001”

1.Platz ….

Alles klar?

Der Preis für zeitgenössische Industriefotografie trägt den Namen von Peter Keetman, einem herausragenden deutschen Fotografen, der als einer der Repräsentanten der “Subjektiven Fotografie” gilt.
Für den “Brockhaus” wurde hingegen die Industriefotografie besonders von den Vertretern der “Neuen Sachlichkeit”, wie z. B. A. Renger Patzsch oder K. Blossfeldt forciert. Diese zufällig gewählten Beispiele werfen meiner Ansicht nach ein interessantes Licht auf den Umgang mit dem Begriff “Industriefotografie”, sowohl in sprachlicher, als auch in inhaltlicher Hinsicht.

Es wird deutlich, daß es an einer leicht zu erfassenden Definition fehlt.

Der Fotograf wird deshalb durch das Genre “Industriefotografie” nicht etwa auf eine bestimmte Attitude verpflichtet wird, sondern im Gegenteil steht ihm das gesamte Spektrum zwischen Identifikation und Distanziertheit – verbunden mit den jeweiligen technischen Gestaltungsmöglichkeiten – zu Gebote.Gleichwohl bedarf es einer gewissen inhaltlichen Konkretisierung, die ich hier einmal am Wort “Industrie” festmachen möchte.


2. Platz: Martin Richter,
“Moderne Ställe”

Der Begriff “Industrie” selbst bezeichnet die gewerbliche Gewinnung von Rohstoffen, deren Be- und Verarbeitung, ebenso wie von Halbfabrikaten, die Veredelung von Sachgütern sowie Montage und Reparaturarbeiten. Die Industrie grenzt sich vom Handwerk durch eine stärkere Trennung von Leitung und Produktion ab. Ihre Merkmale sind im Besonderen Arbeitsteilung, Spezialisierung, Mechanisierung und Rationalisierung der Produktion.

3. Platz: Joseph Sappler, “Industriearbeiter”

Bilder zu finden, die diese Prozesse und deren Manifestationen veranschaulichen / versinn”bild”lichen, soltte meiner Meinung nach Aufgabe des Industriefotografen sein. Dieser Blickwinkel erweitert sich darüber hinaus, wenn auch die geschichtlichen und sozio-kulturellen Auswirkungen der Industrie thematisiert werden.

Dies ist natürlich ein theoretischer Ansatz und ein Industriefoto muß sich nicht notwendiger Weise unter eine solche Definition subsumieren lassen und ebenso wenig muß dieser Industriebezug auf den ersten Blick erkennbar sein – wie auch die o. g. Bilder anschaulich dokumentieren -, gleichwohl kann eine derartige Auseinandersetzung mit dem Thema der Aufnahme, zu einem Hinausgehen über die bloß emotionale Reaktion auf ein Objekt führen und die Erfahrung der Fotografie auf eine somit breitere Basis stellen.

Joachim Rolwes

Begeisterter Hobbyfotograf

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